Re:Raum

Konfliktfreies Zusammenleben

Weißt du, was dir dafür wichtig ist?

Eines der Hauptbedürfnisse von Menschen sind Beziehungen. Wir sind nicht dafür gemacht in Einsamkeit zu leben – egal ob wir eher introvertiert oder extrovertiert sind. Allerdings benötigen Beziehungen, damit sie tatsächlich zu unserer Lebensqualität beitragen, gewisse Regeln. Bei entfernten Bekannten ist das unwichtiger, als bei den Menschen, die uns Nahe stehen. Am offensichtlichsten wird es, wenn wir in einem Familienverbund oder einer Gemeinschaft auf engem Raum zusammenleben.

Eine Traumvorstellung wäre natürlich, dass ein konfliktfreies Leben machbar ist. Da wir realistisch bleiben wollen, werden wir auf ein konfliktarmes hinarbeiten. 

Welche Regeln für jeden im Einzelnen passend und wichtig sind, ist so individuell, wie jeder Mensch selbst. Oft passiert es allerdings, dass sich ein Zusammenleben ergibt.  Weder den Personen selbst, noch den anderen Mitbewohnenden ist klar, was die wichtigsten Regeln eigentlich sind, die ein konfliktarmes Zusammenleben ermöglichen. Hierzu gibt es ein paar Punkte, die helfen, sich die „Regeln“ für sich selbst bewusst zu machen. 

Haustür Garderobe Eingang

Wenn dir noch nicht bewusst ist, was dich stört, würde ich dir raten, eine Woche lang alles aufzuschreiben, was dich stört. Am besten erstmal ohne es zu kommunizieren. Diese Liste ist nur für dich gedacht, also musst du dir keine Gedanken machen, ob du die Gefühle von jemandem verletzen könntest, oder was andere davon halten. Wenn du eine Zeit lang Punkte gesammelt hast, versuche mal, sie in Kategorien zu unterteilen – stört dich die ständige Beschallung oder Unordnung in einem bestimmten Bereich – oder grundsätzlich? Stört es dich, dass du als einziges etwas im Haushalt machst, während alle anderen scheinbar alles an Ort und Stelle liegen und stehen lassen? Wirst du ständig bei Dingen unterbrochen?

Wenn du deine Liste sortiert hast, ist dir vielleicht auch aufgefallen, dass du den selben Punkt zu unterschiedlichen Zeiten notiert hast. Das führt uns direkt zum nächsten Schritt:

Haustür Garderobe Eingang

Versuche, die drei wichtigsten Störfaktoren heraus zu kristallisieren. Bei mir ist es zum Beispiel ein vollgestellter Eingangsbereich. Das Bild oben zeigt die Idealsituation, so wie ich gerne hätte, dass es immer aussieht. Im Alltag ist das natürlich nicht machbar. Jeder hat 3-4 Jacken unten und im Winter zusätzlich Schals, Mützen und Handschuhe. Wir gehen jeden Tag mit dem Hund in den Wald, dementsprechend haben wir dreckige Wanderschuhe, usw. Wenn ich nach Hause komme und bevor ich meine Schuhe ausgezogen habe, im Chaos stehe, würde ich am liebsten direkt nochmal gehen. Deswegen bin ich dabei, den Bereich alltagstauglich zu optimieren.

Das war auch für mich ein Prozess, das zu erkennen und vor allem auch im Alltag einen Weg zu finden, den Raum und die Regeln nachhaltig umzusetzen. Das bedarf ausprobieren und über einen längeren Zeitraum beobachten, ob es wirklich umsetzbar ist. Als erstes haben wir zusätzliche Schuhschränke gekauft, weil es einfach nicht für alle Schuhe gereicht hat. Wir haben Körbe für Gästehausschuhe und Mützen an die Garderobe gehängt. Der Ranzen und Kindergartenrucksack werden direkt mit ins Zimmer genommen, damit sie nicht im Weg stehen. Ich habe meine Schals und Jacken, die ich selten trage, nach oben gebracht und nur das, das tatsächlich täglich genutzt wird, ist unten. 

Vermutlich hast du eine lange Liste, wie du dir alles im Idealfall vorstellen würdest. Um es produktiv und tatsächlich umsetzbar zu gestalten, wäre es gut, dich auf die für dich wichtigsten 2-3 Punkte zu konzentrieren. Wenn du die identifiziert hast, ist es an der Zeit, diese den anderen mitzuteilen. Hierbei ist es wichtig, nicht direkt anzugreifen und zu sagen, „Du lässt immer deine Schuhe im Eingang rumstehen“, sondern es auf dich bezogen zu kommunizieren. Zum Beispiel wäre ein Weg „Mir ist aufgefallen, dass es mich stresst, wenn der Eingangsbereich unordentlich ist. Ich habe meine Sachen schon sortiert und die Sommerjacken weggeräumt, weil wir die gerade nicht brauchen. Mir würde helfen, wenn wir alle unsere Schuhe immer direkt in den Schuhschrank räumen.“ Notiz am Rande: Das ist auch bei der Kommunikation die Traumvorstellung, mir gelingt das im Alltag auch noch selten, aber mit Übung wird es einfacher.

Für jeden – egal welches Alter – ist es wichtig, in sein direktes Wohnumfeld einbezogen zu werden und Mitspracherecht zu haben. Eine Möglichkeit hierfür ist, alle anderen nach ihren 3 wichtigsten Regeln zu fragen und die auch zu respektieren. Wenn es Kinder betrifft, dann ist es ein Abwägen, was im Rahmen des möglichen ist, ohne die Erziehung zu vernachlässigen. Aber wie in allen Beziehungen, geht es hier auch vor allem um den offenen Dialog. Im Anschluss daran ist es wichtig Kompromisse zu finden, die auch im Alltag umsetzbar sind. 

Kennst du deine drei wichtigsten Punkte schon?