Irgendwo wohnen heißt nicht gleich, dass der Ort ein Zuhause ist. Ein Zuhause kann nur ein Ort sein, an dem man sich wohl und sicher fühlt, der eine Art „Base“ ist, von der man sich fortbewegen und von der man sich weiter entwickeln kann. Um einen Ort zu bewohnen hingegen, muss man ihn sich zu eigen machen. Man muss diesen Ort aktiv mitgestalten, ihn weiterentwickeln und sinnvoll nutzen.
Was genau macht diese Aspekte aus? Ein Zuhause muss bewohnt werden, damit es vollumfänglich diese Eigenschaften annehmen kann und sich dorthin entwickeln. Allerdings benötigt es auch einige Rahmenbedingungen, die es erst ermöglichen, dass ein bewohnter Ort zu diesem wird.
Ein Zuhause sollte auf die Bewohner angepasst sein. Ihre Persönlichkeit widerspiegeln und so strukturiert sein, dass der Raum zu den eigenen Abläufen und Bedürfnissen passt. Die Persönlichkeit ist eine unterschiedliche Gewichtung der grundsätzlichen menschlichen Bedürfnisse, und genau diese behandelt und erforscht die Architekturpsychologie.
Jeder, der sich schonmal mit Menschen oder mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt hat, kennt vermutlich die Pyramide der menschlichen Bedürfnisse (Maslowsche Bedürfnishierarchie, falls jemand googeln möchte). Als unterstes stehen physiologische Bedürfnisse wie z.B. Essen und Schlafen, dann kommt das Schutzbedürfnis, die Sozialen Bedürfnisse, Individualbedürfnis und als oberstes die Selbstverwirklichung. Da das ganze pyramidenförmig aufgebaut ist, lässt es vermuten, dass die unteren Bedürfnisse wichtiger sind. Dem ist allerdings nicht so. Alle dieser Bedürfnisse sind wichtig, damit ein Mensch ein glückliches und erfülltes Leben leben kann.
Und genau diese Bedürfnisse machen alle zusammen ein Zuhause aus. Die physiologischen Bedürfnisse werden durch ein Bad, eine Koch-, sowie eine Schlafmöglichkeit erfüllt. Oft denken wir, dass das Schutzbedürfnis allein durch den gebauten Raum gegeben ist, denn dieser schützt vor Fremden, vor Wind und Wetter. Allerdings geht es hier nicht nur um unseren physischen Schutz, sondern auch darum, dass der Raum sich sicher anfühlt, was z.B. durch Innen- und Außenbezüge gegeben ist oder dem Bewohner verwehrt bleibt.
Wenn sogar das Schutzbedürfnis nicht schwarz/weiß zu betrachten ist, kommen wir nun zu den Bedürfnissen, die von den meisten direkt als eher weich und subjektiv aufgefasst werden. Angefangen mit den sozial Bedürfnissen: Ich denke jedem ist klar, dass Menschen soziale Wesen sind, die Austausch benötigen. Allerdings gilt es hier genauso Ruhezonen zu beachten, damit es nicht zur Überstimulation kommt. Was vor allem passiert, wenn die Bewohner eher introvertiert sind.
Dem steht somit direkt das Individualbedürfnis gegenüber. Das ist leider ein Punkt, der beim Wohnen zu wenig beachtet wird. Wenn Platz da ist, ist es selbstverständlich, dass Kinder eigene Zimmer bekommen, aber die erwachsenen Bewohner benötigen auch einen Rückzugsort. Vor allem mit stressigem Alltag bringt das oft mehr Konflikte und Stress mit sich, wenn dieses Bedürfnis übergangen wird.
Das letzte und wohl am wenigsten greifbare Bedürfnis ist das nach Selbstverwirklichung. Dieses Bedürfnis umfasst sowohl die Gestaltung des Zuhauses generell, als auch der Möglichkeiten, die der Person zur Anpassung des persönlichen Bereiches zur Verfügung stehen. Sei es das Kinderzimmer in einer anderen Farbe zu streichen, Bilder aufzuhängen oder Mitbringsel aus dem Urlaub auf einem Regal zu platzieren, wo man sie immer im Blick hat.
Diese grundlegenden Bedürfnisse, neben z.B. gesundheitliche Aspekten, wie der Bezug zur Natur oder Wahl der Materialien, sind die Grundlagen der Architekturpsychologie. Sie sind so essentiell in der Planung und Umsetzung von guten, nutzerfreundlichen Räumen. Leider werden sie viel zu wenig gelehrt und in der Praxis angewandt. Ich hoffe, durch meine Arbeit Aufklärung für dieses Themenfeld zu betreiben, um die Prinzipien und die Wichtigkeit der sozialen Nachhaltigkeit in das Bewusstsein von Planenden zu bringen und dort zu verankern.